So eine Nacht, wie am Freitag brauche ich nicht noch einmal. Was war passiert? Ein Notfall erster Güteklasse. Ein befreundeter Koch arbeitet als Küchenchef neuerdings in einem schicken Restaurant in Frankfurt am Main. Er bestelle bei uns für eine Veranstaltung am Samstagabend Rindersteaks und drei verschiedene Sorten Bratwürstchen. Am Mittwoch haben wir alles frisch und individuell für ihn hergestellt, vakuumverpackt und per Kühlspedition an sein Lokal gesendet. Wir haben alles extra gleich am Mittwoch verschickt, damit wir bei der Lieferzeit auch ja kein Risiko eingehen müssen. So weit, so gut.


Am Freitag um 23:45 Uhr klingelt bei mir das Telefon. Da ich bereits seit zwei Stunden schlief, war es purer Zufall, dass ich trotzdem zum Hörer Griff. Wer war an der anderen Leitung? Der befreundete Koch. Und was sollte er mitten in der Nacht? Nachfragen, wo seine Lieferung bleibt…. Schlaftrunken dachte ich an einen Scherz und habe ihm fünfmal erklärt, dass doch alles am Mittwoch schon unser Haus verlassen hat. Aber er ließ sich nicht abschütteln und so langsam verstand ich, dass echt keine Ware bei ihm angekommen ist. Doch es war mitten in der Nacht am Wochenende. Lösungen hatte ich auf Anhieb keine auf der Hand. Ok, Plan B hätte man ins Spiel bringen können. Rindersteaks hatte ich noch im Kühlraum, aber mit den Bratwürstchen wäre es bei diesem idealen Grillwetter eng geworden. So mal weder genug Fleisch zur Bratwurstherstellung vorrätig gewesen ist, noch am Samstag bei uns überhaupt Bratwurst produziert, gefüllt und gebrüht wird. Aber dann hätte man halt irgendwas aus der Hüfte zaubern müssen.

 

Mit diesen Gedanken legte ich mit wieder ins Bett. Aber natürlich, ich konnte nicht einschlafen. Die Sache lies mich einfach nicht los. Also habe ich den Weg ins Büro gesucht um nach Lösungen zu forschen. Mittlerweile war es auch schon Samstag 0:30 Uhr. Als erstes wollte ich mir die Frachtpapiere anschauen, um zu erfassen, ob die Bestellung evtl. auf Grund einer falschen Adresse nicht angekommen ist? Aber hoffentlich hat meine Mitarbeiterin die Frachtpapiere abgespeichert und falls ja, in welchem Ordner auf dem PC? Nach langer Suche hatte ich die Frachtpapiere glücklicherweise und festgestellt, dass hier alles stimmt. Puh…! Aber was jetzt? Wo steckt unsere Lieferung? Nächster Schritt, Email an den Logistikdienstleister mit der Frage, wo steckt unsere Lieferung? Die vorhandene Visitenkarte war allerdings alt, der Mitarbeiter bestimmt nicht mehr bei der Firma beschäftigt und so kam die Mail gleich wieder zurück. Vielleicht arbeitet die Kühlspedition ja auch samstags? Also einfach mal um 1:00 Uhr in der Nacht dort angerufen und gehofft, dass eine Bandansage zu hören ist. Plötzlich, nach zweimal klingeln, hebt jemand auf der Gegenseite den Hörer ab. Eine leibhaftige Person. nachts um ein Uhr. Also habe ich das Problem kurz geschildert und nach 20 Sekunden sagte mir die Dame, dass die Lieferung bei Ihr im Kühllager stehe und weder am Donnerstag, noch am Freitag nicht zugestellt werden konnte. Warum auch immer? Aber, die Kühlspedition arbeite heute Nacht nur noch bis 6:00 Uhr in der Früh. Also, Plan B bleibt in der Tasche, jetzt arbeiten wir nach Plan A. Um 1:30 Uhr ins Auto gesetzt, 120km einfache Fahrt ins Logistikzentrum gefahren, dort die Kisten mit dem Fleisch abgeholt, mit nach Hause ins Kühlhaus genommen und um 3:30 Uhr wieder todmüde ins Bett gefallen.

Um 6:30 Uhr gings ja hier schon wieder mit Arbeiten los. Aber ich war wieder stolzer Besitzer meiner am Mittwoch versendeten Kisten mit Fleisch und Bratwurst. Diese Kisten mussten allerdings noch zu meinem Kunden nach Frankfurt. Am Samstagvormittag ging es deshalb wieder los. Kisten ins Auto und 80km nach Frankfurt gefahren und um 12:30 Uhr hatte mein Kunde endlich seine bestellte Ware. Gut zwölf Stunden nach seinem Anruf und nach einer wahren Nacht- und Nebelaktion. Allzu oft brauche ich diese Aktionen allerdings nicht.